Noch nie gab es weltweit so wenig Brände wie 2026


Im vergangenen Sommer erreichte uns eine Horrormeldung nach der anderen: «Auf solche Megabrände ist niemand vorbereitet», teilte der «Tages-Anzeiger» mit. «Halb Europa brennt», verkündete der «Sonntagsblick». In der Tat waren einige Waldbrände in Europa – besonders die in Frankreich und Spanien – verheerend. Die Schäden gingen in die Milliarden, und es gab auch Todesopfer.
Doch das Bild der Welt, die wegen des Klimawandels in Flammen steht, ist falsch. Zwar waren die Brände in einigen europäischen Ländern dieses Jahr aussergewöhnlich stark. Aber weltweit zeigt sich ein anderes Bild. 2026 ist sogar das Jahr mit der geringsten verbrannten Fläche der letzten 15 Jahre. Das lässt sich anhand von Satellitendaten des Global Wildfire Information Systems ablesen. Noch nie seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahr 2012 gab es so wenige Wald- und Buschbrände. Betroffen waren rund zwei Prozent der Landmasse der Erde.
Jahrzehntealter globaler Trend zu immer weniger Bränden
Sowieso gibt es global gesehen einen jahrzehntealten Trend zu immer weniger Feuer. 2014 kamen US-Forscher anhand von Modellrechnungen für die Jahre 1901 bis 2007 zum Schluss, dass die verbrannte Fläche seit Beginn des 20. Jahrhunderts jährlich um durchschnittlich 12’800 Quadratkilometer oder 0,29 Prozent kleiner geworden ist. Aufsummiert ist das ein Rückgang von rund 26 Prozent.
Ein internationales Forscherteam errechnete 2017 sogar einen noch schnelleren Rückgang: Demnach hatte sich die jährlich weltweit verbrannte Fläche allein seit 1998 um 24 Prozent verringert. Zusammen mit der erwähnten Auswertung von Satellitendaten kann darum mit hoher Sicherheit gesagt werden, dass es 2026 weltweit so wenig gebrannt hat wie seit Menschengedenken nicht mehr.
Doch wie ist das angesichts des Klimawandels möglich? Sicher ist es so, dass das Risiko für Brände im Zuge der Erderwärmung und des damit verbundenen Trends zu mehr Trockenheit gestiegen ist. Doch das Risiko für Feuer ist nicht mit tatsächlichen Bränden gleichzusetzen. Denn die Menschen sind nicht untätig geblieben. Sie wissen immer besser, wie sie Wald- und Buschbrände verhindern und eindämmen können. Der Effekt der Prävention und der Eingrenzung ist viel bedeutender als die Tendenz zu mehr Feuer wegen des Klimawandels.
Fast halbierte Brandfläche in Europa
Und diese Entwicklung trifft auch auf Europa zu: Der Trend läuft klar in Richtung weniger Waldbrände. Eine Statistik der Europäischen Umweltagentur für die Jahre 1980 bis 2020 zeigt insbesondere eine abnehmende Tendenz für Frankreich, Portugal, Spanien, Italien und Griechenland – also gerade für diejenigen Staaten, bei denen wir wegen der erwähnten Schreckensmeldungen davon ausgehen, dass die Situation immer schlimmer wird.
Zwar war 2026 in diesen mediterranen Gebieten in der Tat ein Jahr mit überdurchschnittlich vielen und starken Waldbränden. Aber grosse Unterschiede zwischen einzelnen Jahren sind völlig normal und ändern nichts am langjährigen Verlauf hin zu weniger Bränden. Gemäss der Statistikplattform «Our World in Data» hat die jährlich verbrannte Fläche in Europa zwischen 2002 und 2024 sogar um fast die Hälfte abgenommen.
Die Menschen entfernen Totholz und anderes brennbares Material aus den Waldbeständen. Sie schlagen Brandschneisen, damit sich allfällige Feuer nicht weiter ausbreiten können. Heute kann man Brandherde dank der Überwachung mittels Flugzeugen und Satelliten auch viel schneller entdecken. Und mittels Löschflugzeugen und besserer Ausrüstung der Feuerwehren können Waldbrände rascher gelöscht werden als früher. All das hat dazu beigetragen, dass die Probleme mit Bränden in Europa abgenommen haben.
34 Prozent mehr Wald in Spanien
Das spiegelt sich auch in der Entwicklung der Waldflächen. Die Vorstellung, wegen immer schlimmerer Feuersbrünste sei mittlerweile halb Europa abgebrannt, entspricht nicht der Realität. Laut dem European Forest Institute haben die bewaldeten Flächen in den EU-Staaten zwischen 1990 und 2020 um rund zehn Prozent zugenommen. In den mediterranen Staaten beträgt der Zuwachs im gleichen Zeitraum sogar rund ein Viertel. An der Spitze liegt Spanien: Dieses Land verzeichnete zwischen 1990 und 2020 eine Zunahme der bewaldeten Flächen um sagenhafte 34 Prozent.
Doch die Medien berichten kaum über solche erfreulichen Entwicklungen. Sie suggerieren dem Publikum, dass die Erderwärmung auch in diesem Bereich zu immer mehr Problemen führe. Denn wenn Journalisten eingestehen müssten, dass es immer weniger Waldbrände gibt, würde das ihr Narrativ des schlimmen Klimawandels durchkreuzen. Da unterschlagen sie die positiven Nachrichten lieber.
