Der Klimawahn tötet Menschen


Jedesmal, wenn im Sommer hohe Temperaturen herrschen, sind die Zeitungen voll mit Berichten über den Klimawandel. Besonders die scheinbar steigende Zahl von Hitzetoten sorgt für fette Schlagzeilen. «Die Hitzewelle wird zur tödlichen Gefahr», titelte die Aargauer Zeitung vor kurzem. Gemäss neuen Meldungen sollen es in diesem Sommer in der Schweiz bereits 357 zusätzliche Todesfälle wegen Hitze gegeben haben.
Europaweit sind es angeblich sogar 31’800 Hitzeopfer. Wer aber nur Hitzetote zählt, hat einen Röhrenblick. Denn der wahre Killer ist nicht der Sommer, sondern der Winter. In der kalten Jahreszeit sterben unzählige Menschen an Kälte. Es handelt sich wie bei den Hitzetoten vorwiegend um alte und geschwächte Leute. Gesundheitsprobleme wie Infekte und Herz-Kreislauferkrankungen, die eng mit tiefen Temperaturen verbunden sind, geben vielen Menschen den Rest.
Es ist in der Forschung anerkannt, dass es weit mehr Kälte- als Hitzetote gibt. Über den Daumen gepeilt, töten tiefe Temperaturen rund zehnmal mehr Menschen als hohe. Das gilt auch für die Schweiz und selbst für ausgesprochen warme Länder wie Brasilien oder Thailand. Denn dort ist man in der Regel schlecht vorbereitet auf Kältewellen.
Der Klimawandel rettet Leben
Wird es nun wegen des Klimawandels tendenziell wärmer, kann das zu mehr Hitzetoten führen. Aber die Zahl der Kältetoten nimmt ziemlich sicher ab. Und weil es wie erwähnt viel mehr Kälte- als Hitzetote gibt, ist die Bilanz unter dem Strich oft positiv. Eindrückliche Ergebnisse hat eine ungarische Studie geliefert, die im vergangenen Mai publiziert worden ist und die Situation in 28 europäischen Ländern untersucht hatte. Sie kam zum Schluss, dass in diesen Ländern zwischen 2015 und 2024 über 900’000 temperaturbedingte Todesopfer weniger zu beklagen waren, als wenn es noch so kalt gewesen wäre wie zwischen 1950 und 1979.
Der Autor dieser Studie, Tamas Hajdu, hatte 40 Millionen Todesfälle zwischen 2015 und 2024 in diesen 28 Ländern unter die Lupe genommen. Zwar hatte sich die Mortalität während der wärmsten Monate insgesamt etwas erhöht, aber die Abnahme der Sterblichkeit im Winter fiel deutlich stärker ins Gewicht. «Die jüngste Erwärmung führte in den meisten Regionen zu einer höheren Lebenserwartung», schrieb Hajdu. Konkret errechnete er, dass in den betrachteten 28 Ländern, zu denen auch die Schweiz zählt, die Menschen wegen der Erderwärmung im Schnitt 2,3 Monate länger lebten als noch zwischen 1950 und 1979.
Doch auch bei den Hitzetoten allein ist die Situation anders als angenommen. Laut der Erhebung eines internationalen Forscherteams von 2024 hat die Zahl der Hitzetoten in der Zeit von 1990 bis 2019 weltweit um 7,2 Prozent abgenommen – trotz Erderwärmung. Der Grund ist, dass die Menschheit sich immer besser vor hohen Temperaturen zu schützen weiss – sei es durch angepasstes Verhalten, durch eine veränderte Bauweise oder, sehr wichtig, durch Klimaanlagen.
Europa ist der Kontinent mit den meisten Hitzetoten
Auffallend bei der erwähnten Erhebung ist allerdings, dass Europa der einzige Kontinent ist, auf dem die Hitzesterblichkeit zwischen 1990 und 2019 zugenommen hat – um drei Prozent. Auch in absoluten Zahlen steht es schlecht um Europa. Denn auf dem «alten Kontinent» sterben mit jährlich 655 Opfern pro zehn Millionen Einwohner weitaus am meisten Menschen an Hitze – fast dreimal mehr als im weltweiten Schnitt (236 Opfer pro zehn Millionen Einwohner). Selbst in Afrika (229 Opfer) und Asien (192 Opfer) sind es viel weniger als in Europa.
Die Ursache dieser miserablen Bilanz ist offenkundig: In Europa fehlen Klimaanlagen. Zwar ist die europäische Bevölkerung besonders alt und damit hitzeanfällig. Aber die USA und Japan sind genauso überaltert. Dort sterben aber um Grössenordnungen weniger Menschen an Hitze als in Europa. In den USA und in Japan sind aber rund 90 Prozent der Haushalte klimatisiert. In Europa sind es nur rund 20 Prozent.
Wer also ein ehrliches Interesse hat, Menschen zu retten, müsste den raschen Einbau von Klimaanlagen in allen Haushalten, vor allem aber in Spitälern und Pflegeheimen, propagieren. Der amerikanische Umweltforscher Roger Pielke Jr. hat kürzlich vorgerechnet, was möglich wäre: Er kam zum Schluss dass in Europa während des Hitzesommers 2022 34’766 von 61’672 gezählten Hitzetoten hätten gerettet werden können, wenn 90 statt nur 20 Prozent der Haushalte mit Air Conditioning ausgestattet gewesen wären.
Es geht um Schuld und Sühne
Doch hier hapert es. Klimaanlagen sind in weiten politischen Kreisen verpönt – weil sie energieintensiv sind und angeblich selber die Erderwärmung antreiben. Der grüne Nationalrat Christophe Clivaz hat die Verwendung mobiler Klimageräte in einem Vorstoss sogar als «perfektes Beispiel für eine Fehlanpassung an den Klimawandel» bezeichnet.
Auch die Hürden der Behörden, um eine Klimaanlage einbauen zu können, sind hoch. In mehreren Kantonen gibt es strenge Auflagen für eine entsprechende Baubewilligung. Es müssen zuerst alle anderen Optionen für Kühlung ausgereizt werden, oder der Strom für das Air Conditioning muss zwingend erneuerbar sein. Im Kanton Genf braucht es gar ein ärztliches Attest als Voraussetzung für den Einbau von Klimaanlagen in Privatwohnungen.
Der Grund für die Abneigung gegen maschinelle Kühlung ist quasi-religiös. Denn es geht beim Narrativ des Klimawandels um Schuld und Sühne. Viele Politiker und Aktivisten sehen die Erderwärmung als Strafe für begangene «Sünden», namentlich für die Verwendung fossiler Brennstoffe. In dieser Weltsicht ist es nicht akzeptabel, dass man das Hitzeproblem mit einer Maschine aus der Welt schafft. Vielmehr sind wir dazu verdammt zu schwitzen. Dass dabei Menschen sterben, spielt offenbar keine Rolle. Der Klimawahn ist mitunter tödlich.
