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Klimadebatte: Hauptsache, Katastrophe!

Autorenbild: Konrad Kilowatt
Konrad Kilowatt
23. Juni
3 Min. Lesezeit

Kolumne von Konrad Kilowatt / 23.06.2026




Rückenansicht eines Mannes vor einer leuchtenden Glühbirne, warmes Sepia, symbolisiert eine Idee.

Als im letzten Winter die Abstimmung über die Klimafonds-Initiative bevorstand, führten die Befürworter eine Zahl unermüdlich an: 34 Milliarden Franken. So hoch würden die jährlichen Klimaschäden in der Schweiz bald steigen, wenn die Erderwärmung weitergehe. Im Vergleich dazu seien die Ausgaben für den geforderten Klimafonds von vier bis acht Milliarden pro Jahr geradezu ein Schnäppchen. 


34 Milliarden Franken – diese Zahl stützte sich einzig auf eine Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF). Es gab auch andere Schätzungen, doch diese kamen auf deutlich tiefere Schadenssummen für die Schweiz. Die Studie des IWF war jedoch auf Basis des Klimaszenarios RCP 8.5 gerechnet worden. Es war das pessimistischste von vier Emissionsszenarien, welche der Weltklimarat seit 2010 als Grundlage für seine Berichte verwendet hatte. Damit verbunden war eine Temperaturerhöhung bis 2100 von katastrophalen vier bis sechs Grad.


Hunderte Millionen Todesopfer

RCP 8.5 bedeutete «Repräsentativer Konzentrationspfad 8.5» und ging davon aus, dass der zusätzliche Strahlungsantrieb wegen der Erderwärmung im Jahr 2100 8,5 Watt pro Quadratmeter beträgt. Das tönt zwar sperrig – doch das Szenario war in Kreisen, die vor dem Klimawandel warnen, äusserst beliebt. In unzähligen Studien und Berichten der vergangenen Jahre hatten sich diese Kreise genau dieses Hochemissions-Szenario herausgepickt und damit der Welt buchstäblich die Hölle heiss gemacht.

Das Beratungsunternehmen McKinsey etwa warnte 2020 vor Hunderten Millionen Todesopfern und Schäden in Billionenhöhe infolge des Klimawandels. Der Rückversicherer Swiss Re verkündete 2021, die Erderwärmung führe womöglich zu einem Einbruch der Weltwirtschaft um satte 18 Prozent. Und die britische Bank Barclays mahnte 2022, der Klimawandel könnte die Währungen kollabieren lassen. Alle drei Beispiele stützten sich einzig auf RCP 8.5.


Sechsmal so viel Kohle wie heute

Jetzt aber ist Schluss. Das Weltklimaforschungsprogramm – ein Gremium, das Emissionsszenarien zuhanden des Weltklimarats ausarbeitet – hat RCP 8.5 beerdigt. Dieses sei «unplausibel» geworden, so die Begründung. Denn damit all die vorhergesagten Katastrophen eintreten, müsste der CO₂-Gehalt in der Atmosphäre auf rund das Dreifache im Vergleich mit heute steigen. Dazu müsste allein die Verwendung von Kohle zur Stromerzeugung auf das Sechsfache klettern. Mutmasslich gibt es aber gar nicht genug fossile Brennstoffe in der Erdkruste, um einen solchen Boom zu erzeugen.


Mit dem Ende von RCP 8.5 ist die Klimakatastrophe eigentlich abgesagt. Die neu ausgearbeiteten Szenarien gehen zwar im extremsten Fall noch immer von einer Temperaturerhöhung von etwa 3,5 Grad aus. Das wäre gravierend, aber nicht katastrophal. All die Warnungen der letzten Jahre auf Basis dieses Extremszenarios sind damit hinfällig geworden. Auch die behaupteten 34 Milliarden Schäden in der Schweiz haben keine Basis mehr.


Falsche Deutungen

Doch ist es nun vorbei mit dem Daueralarm in der Klimadebatte? Mitnichten! Zum einen behaupten zahlreiche Wissenschaftler, Politiker und Journalisten nun, RCP 8.5 sei nur darum unplausibel geworden, weil die Klimapolitik so erfolgreich sei. «Dass man [das Klimaszenario RCP 8.5] jetzt ausschliesst, zeigt vor allem, dass es die Politik zumindest ein wenig aufgerüttelt und zum Handeln gebracht hat», sagte etwa Klaus Ammann, Redaktor bei SRF. «Sonnen- und Windenergie sind heute so stark und so günstig, dass ein unendliches Wachstum von Kohle, Öl und Gas ausgeschlossen werden kann.» Noch vor zehn Jahren sei das nicht so klar gewesen.


Diese Deutung dient zwar den Apologeten des Klimawandels. Falsch ist sie trotzdem. Denn bereits vor über zehn Jahren hatten einige Wissenschaftler darauf aufmerksam gemacht, dass RCP 8.5 einen exorbitanten Kohleboom voraussetze, für den es keine Anzeichen gab. «Die Lüge vom Sieg der Klimapolitik», kommentierte die deutsche «Welt» darum treffend.


Neues Katastrophenszenario erfunden

Zum anderen haben die Klimawarner gleich neue Argumente gefunden, um die Panik am Kochen zu behalten. Da ist zum Beispiel der deutsche Klimaforscher Niklas Höhne: Wegen den sogenannten Kipppunkten gehe man heute von viel gravierenderen Auswirkungen eines bestimmten Temperaturniveaus aus, liess er nach dem Ende von RCP 8.5 verlauten. «Damit sind die Auswirkungen des aktuellen Szenarios mit den höchsten Emissionen in etwa so gravierend, wie es vor zehn Jahren vom Worst-Case-Szenario erwartet wurde.»Bei der Klimalobby gilt also: Fällt ein Katastrophenszenario weg, so erfindet man halt flugs ein neues.

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