Die Schweiz braucht mehr Strom

Von Energie Liga / 14.08.2026
Ein Teil der heutigen Stromproduktion fällt in den kommenden Jahrzehnten weg, während die Nachfrage weiter steigt. Im Gespräch mit der Energie Liga erklärt Axpo-Chefstratege und Chefökonom Martin Koller, weshalb die Weichen für eine sichere Stromversorgung bereits heute gestellt werden müssen.
Die Elektrifizierung von Verkehr, Gebäudewärme und Wirtschaft lässt den Stromverbrauch steigen. Gleichzeitig fallen in den kommenden Jahrzehnten Produktionskapazitäten weg. Laut den «Axpo Energy Reports» entsteht bis 2050 eine Lücke von rund 25 Terawattstunden. Das entspricht gut zwei Dritteln des heutigen Winterstromverbrauchs in der Schweiz.
Im Videopodcast der Energie Liga spricht Martin Koller mit Christine Frey und Michael Köhn darüber, wie der zusätzliche Strombedarf gedeckt werden kann. Dabei geht es auch um die Rolle von Photovoltaik, Windkraft, Gas- und Kernenergie.
Klar ist heute schon: Jede Technologie hat Stärken und Schwächen. Deshalb liegt der Fokus auf einem Zusammenspiel von verschiedenen Technologien. «Eine Patentlösung gibt es nicht», sagt Koller.
Gemäss Axpo reicht ein System aus Photovoltaik, Wind- und Wasserkraft allein nicht aus. Ein solches System würde in Belastungssituationen schnell an seine Grenzen stossen – insbesondere an windarmen Wintertagen mit hohem Stromverbrauch und geringer Sonneneinstrahlung. Batterien können Strom vom Mittag in den Abend verschieben, als saisonale Speicher sind sie aber ungeeignet. Dafür stehen heute vor allem Wasserkraftwerke zur Verfügung, darunter Pumpspeicherwerke wie das Axpo-Kraftwerk Limmern im Kanton Glarus. Das Ausbaupotenzial der Wasserkraft ist allerdings beschränkt.
Um die Winterversorgung auch in angespannten Situationen sicherzustellen, braucht es zusätzlich steuerbare Produktion aus Gas- oder Kernkraftwerken.
Reserve für Mangellagen
Gerade weil wetterabhängige Produktion und begrenzte Speichermöglichkeiten nicht jede Versorgungslücke abdecken können, gewinnen Reservekraftwerke an Bedeutung. Das geplante Reservekraftwerk der Axpo im Auhafen in Muttenz soll nicht am Markt produzieren, sondern nur in ausserordentlichen Mangellagen Strom bereitstellen. Koller vergleicht Reservekraftwerke mit einer Versicherung: Im Normalfall werde sie kaum gebraucht, im Ernstfall können sie jedoch Abschaltungen oder einen Blackout verhindern und dadurch Schäden in Milliardenhöhe vermeiden.
Aus Sicht von Koller ist insbesondere der Langzeitbetrieb der bestehenden Kernkraftwerke zeitkritisch. Damit die Betreiber diese Investitionen tätigen, braucht es verlässliche Rahmenbedingungen. Wegen der langen Vorläufe müssen diese Grundlagen bereits heute geschaffen werden.
Das Gespräch zeigt, dass Versorgungssicherheit nicht mit einer einzelnen Technologie erreicht werden kann. Nötig ist ein Stromsystem, das genügend eigene Produktion, Speicher und verlässliche Reserven miteinander verbindet. Die Schweiz muss deshalb heute entscheiden, welche Kraftwerke und Infrastrukturen sie künftig ermöglichen will. Nur so bleibt die Stromversorgung sicher, bezahlbar und zuverlässig.
Jetzt den ganzen Videopodcast mit Martin Koller ansehen.


