Die neue Währung heisst Tempo

Von Energie Liga / 18.09.2026
Erstmals diskutieren die CEOs von Primeo und EBL gemeinsam mit Energie Liga-Präsidentin Christine Frey im Podcast über Winterstrom, Investitionen und Technologieoffenheit.
Die Schweiz braucht mehr Strom – und er muss verlässlich und bezahlbar bleiben. Im Podcast der Energie Liga diskutieren Cédric Christmann, CEO Primeo Energie, Tobias Andrist, CEO EBL, und Energie Liga-Präsidentin Christine Frey mit Moderator Michael Köhn darüber, was dafür heute entschieden und gebaut werden muss.
Für Christmann stehen drei Herausforderungen im Vordergrund: Investitionstempo, Finanzierbarkeit – insbesondere im Stromnetz – und die «Differenz zwischen Hoffnung und Realität». Neue Infrastruktur könne nur entstehen, wenn sie finanziert und amortisiert werden könne.
Besonders deutlich wird der Handlungsbedarf beim Winterstrom. «Reicht es im Winter?», bringt Christmann die Kernfrage auf den Punkt. Andrist hält die heutige Lage noch für vergleichsweise komfortabel. Kritischer werde es, wenn die bestehenden Kernkraftwerke dereinst vom Netz gehen. Dann müsse genügend eigene Produktion vorhanden sein – oder Strom genau dann importiert werden können, wenn die Schweiz ihn braucht.
Für Christmann ist klar: «Versorgungssicherheit kann man nicht im Notfall kaufen.» Was fehle, sei vor allem das Bauen. Sein Fazit: «Die neue Währung der Politik ist Tempo.»
Andrist warnt davor, erst im Krisenmodus schnell zu werden. Gleichzeitig könne die Schweiz nicht auf eine technische Wunderlösung warten: «Wir können nicht warten mit Investitionen, bis die Zukunftstechnologie vom Himmel herunterfällt.» Bei Windkraftprojekten verweist er auf Bewilligungsverfahren von zehn oder fünfzehn Jahren. «Wer investiert in so einem Umfeld?», fragt Andrist.
Gleichzeitig warnen beide CEOs vor Überinvestitionen. Intelligente Netze, Batteriespeicher, dynamische Tarife und Energiemanagementsysteme können Produktion und Verbrauch besser aufeinander abstimmen und unnötigen Netzausbau vermeiden. Batterien helfen bei kurzfristigen Schwankungen, lösen aber nicht die saisonale Verschiebung grosser Energiemengen vom Sommer in den Winter.
Für Frey ergibt sich daraus eine klare politische Aufgabe: Ziele setzen, verlässliche Rahmenbedingungen schaffen und verschiedene Technologien ermöglichen. Die Politik solle den Energieversorgern nicht vorschreiben, mit welcher Technologie die Ziele erreicht werden müssen. «Wichtig ist das Augenmass.»
Die Diskussion geht weiter: Am CEO-Talk der Energie Liga vom 4. November stösst mit Dr. Claus Schmidt, CEO und designiertem Verwaltungsratspräsidenten der IWB, ein weiterer Energieversorger dazu. Prof. em. Dr. Lino Guzzella, ehemaliger Präsident der ETH Zürich, eröffnet mit einem Input zur Energieversorgung der Zukunft. Im Zentrum steht die Frage, wie Versorgungssicherheit, Wirtschaftlichkeit und Nachhaltigkeit künftig zusammengebracht werden können.



